Neulich beim Mediator – Folge 1

Heute: die Sitzordnung, oder: bin ich hier richtig?

Der erste Eindruck zählt – auch in der Mediation. WIE miteinander gesprochen wird, entscheidet sich bereits vor dem ersten Wort:

1. Die Atmosphäre

Mediation braucht einen geschützten Raum mit einer freundlichen Atmospäre. Durchgangszimmer sind daher ebenso ein No-Go wie „Glaskäfige“. Klare und eher runde Formen sowie ruhige neutrale Farben unterstützen die notwendige Öffnung der Parteien.  Die Zimmergröße ist nicht entscheidend, jedoch muss ausreichend Platz vorhanden sein, die notwendige Distanz zueinander zu wahren: Egal, wie die Beteiligten früher einmal zueinander gestanden haben (Ehegatten), in der Mediation ist die persönliche Distanz von 60 – 120 Zentimeter einzuhalten, damit niemand sich bedrängt fühlt.

2. Der Sitzplatz

 

Ob ohne Tisch…

Gespräch-1

oder klassisch am Besprechungstisch, ist Geschmackssache. Ich bevorzuge die Besprechung am Tisch: zum einen braucht man in jeder Mediation irgendwann Platz für Unterlagen, Papier zum (Mit-)Schreiben … und außerdem handelt es sich um eine zielgerichtete Arbeit und nicht um ein gemütliches Beisammen-Sein!

Frontal gegenübersitzen lähmt!
Setzt man die Parteien an einen klassischen rechteckigen/quadratischen Besprechungstisch einander gegenüber, bringt man sie „in Konfrontation“ und irgendwann passiert das:

Quarrel

Ein klassisches No-Go ist zudem, die Beteiligten vor einem Schreibtisch sitzen zu lassen. Diese Position impliziert von Anfang an eine herablassende Haltung und einen klaren hierarchischen Unterschied zwischen den Personen – für die, die vor dem Schreibtisch sitzen, eine emotional anstrengende Position, in der sie sich zu einem Zusammenhalt gezwungen sehen, den sie gar nicht haben, und für den dahinter einen künstlichen Schutz.

Ideal ist stattdessen ein Winkel zwischen 30 und 60 Grad zueinander. So lässt sich die Gesprächsdistanz im Verlauf etwas variieren. Die Beteiligten fühlen sich weniger frontal miteinander konfrontiert, entspannen sich deshalb mehr und wirken dadurch authentischer und überzeugender.

Der optimale Platz für konstruktive Gespräche „auf Augenhöhe“ ist tatsächlich ein runder Tisch – ganz genau wie bei König Artus und seinen Rittern.:

Table ronde

oder – mein Favorite für eine Mediation mit 2 Beteiligten:

Konferenztisch - 3eckig-2

Wenn dann an jedem Platz bereits eine (hier kommt die Frau: hübsche) Tasse auf den Kaffee wartet; in der Tischmitte ein paar kleine Flaschen Wasser, ausreichend Gläser, eine Kanne Kaffee nebst Milch & Zucker stehen, steht einem guten Auftakt nichts mehr im Wege!

Fortsetzung folgt: Die Eröffnung