Neulich beim Mediator – 2

Heute: Die Eröffnung

Das Mediationszimmer ist gut eingerichtet (→ Der Sitzplatz) und in einer Stunde soll die Mediation beginnen. Da nervöse Mandanten gern überpünktlich sind, vergewissere ich mich schon jetzt, dass alles vorbereitet ist: Flipchart mit ausreichend Stiften, Magneten und Papier & Karton steht bereit, der Tisch ist gedeckt, der Kaffee ist rechtzeitig fertig.

Wartestress

Niemand wartet gern – und schon gar nicht in einem Zimmer mit seinem „aktuellen Feind“ – also stelle ich sicher, die Beteiligten unverzüglich nach ihrem Eintreffen in Empfang nehmen zu können.

1. Der Empfang

So ganz sicher nicht:

Tough senior business man with folder, isolated“ Dann kommen Sie mal mit“

Die aufgeklappten Unterlagen, Körperhaltung und Mimik vermitteln hier unmissverständlich: „Ich habe weder Zeit noch Lust auf ein Gespräch mit Dir; Du hast mir sowieso nichts Interessantes zu sagen – also nerv‘ mich nicht“

Ich betrete den Wartebereich lächelnd, begüße die Erschienenen jeweils freundlich mit Handschlag, geleite sie ins Mediationszimmer und biete Tee, Wasser, Kaffee an … kurz: ich empfange sie!

Empfang

 

 

2. Die Eröffnung

 

Die Mediation beginnt mit dem sog. „Eröffnungsstatement“, in dem der Mediator nach einer allgemeinen Begrüßung den Ablauf und die Randbedingungen der Mediation vorstellt.

Für mich eine der wichtigsten Phasen der Mediation, da das Eröffnungsstatement den Ton der gesamten Mediation bestimmen wird. Hier stelle ich den Kontakt zwischen den Beteiligten und dem Mediator her und lege nicht nur den Verfahrensablauf, sondern auch meine Stellung in dem Verfahren und den zukünftigen Umgang miteinander fest … und die Beteiligten gewöhnen sich langsam daran, mit dem ungeliebten Gegner in einem Raum zu sein 🙂

Ein paar Mut-machende Worte zu Beginn können oft Wunder bewirken:

„Ich freue mich, Sie kennen zu lernen – und ich freue mich über Ihre erste übereinstimmende Entscheidung, ein für Sie neues Verfahren auszuprobieren. Es wird für Sie nicht immer ganz einfach sein, aber die Mediation bietet nach meiner Erfahrung eine gute Chance, Ihr Problem zu lösen und in Zukunft wieder miteinander auszukommen.“

Dann sollten ein paar Worte zur eigenen Person folgen: die Beteiligten wollen schließlich wissen, mit wem sie es zu tun haben. Die Beteiligten bitte ich ebenfalls um eine kurze Vorstellung:“Was machen Sie beruflich, sind Sie verheiratet, haben Sie Kinder, was sind Ihre Hobbies…“

Und bevor dann das passiertWork Colleagues arguing on white background

, erläutere ich, wie wir in der Mediation miteinander umgehen.

 

3. Der Umgang miteinander

 

schlichten

Grundsätzlich sollten die Beteiligten sich dahin verständigen,  fair und gerecht miteinander zu verhandeln und die Interessen des anderen Konfliktbeteiligten zu berücksichtigen. Die klassischen „No go’s“ für Konfliktgespräche sollten daher in der Regel vermieden werden:

  • Du-Botschaft „Sie sollten mal…“
  • Verallgemeinerung „Immer müssen Sie…“
  • Bewerten, belehren, befehlen
  • Unterstellungen
  • Ironie, Sarkasmus
  • den Anderen ausfragen

Das heißt aber nun nicht, dass die Beteiligten sich ständig kontrollieren und nur „lieb“ miteinander sein dürfen. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, ein Streitgespräch mal nicht zu unterbrechen:

Die Beteiligten können „Dampf ablassen“, stehen nicht mehr so unter Druck und können konzentrierter zuhören. In so einem Wortgefecht kommen häufig auch genau die Motive und Verletzungen zum Ausdruck, aus denen Lösungsansätze entstehen. Sofern alle Beteiligten noch „auf Augenhöhe“ streiten und aus dem Streit Bewegung entsteht, höre ich zu. Dreht sich der Streit jedoch im Kreis; geht es nur um Anschuldigungen, Verletzen-wollen oder das Zementieren der eigenen Position, greife ich ein.

 

4. Rahmenbedingungen, Vertrag

 

Im Eröffnungsstatement wird weiter über die Rahmenbedingungen der Mediation informiert:

  • Neutralität des Mediators
  • Freiwilligkeit der Mediation
  • Eigenverantwortlichkeit der Medianten
  • Offenheit der Medianten
  • Vertraulichkeit des Informationsaustauschs

 

Anschließend wird ein Mediationsvertrag mit der Einverständniserklärung der Konfliktbeteiligten, eine Regelung mittels Mediation und mit
Unterstützung des Mediators anzustreben, geschlossen, in welchem auch Honorar und Abrechnungsmodalitäten enthalten sind.

Man and woman   signing a business contract after the conclusion of the negotiations

 

Herzlichst, Ihre

Gerhild Klinkow

 

demnächst in Folge 3: und so geht Mediation